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Gourmand und Gourmet testen Schokoladen

Über die Geschmacksvielfalt dunkler Schokoladen

»Vegane Schokolade? Da kann man doch nur Bitterschokolade essen?!« – So das abschätzige Vorurteil. Dabei hat der gewöhnliche Milchschokoladen-Esser wenig Einblick in die Geschmacksvielfalt von guten Schokoladen. Genießer-Schokoladen sind weder per se bitter und sind ohnehin häufig vegan: Die besten Kakaosorten bieten bei sorgfältiger Verarbeitung auch ohne Milch und zugesetzte tierische Fette einen zarten Schmelz und hervorragenden Geschmack.

Langsam entdecken mehr Leute intensiv schmeckende Schokolade. Mittlerweile bieten auch deutsche Supermärkte und sogar Discounter ein paar Schokoladen mit hohem Schokoladenanteil von 60-80% an. Diese sind teilweise gar nicht schlecht. Die Niederlande etwa sind hier schon weiter. Das Angebot an »Puur«-Schokolade in normalen Supermärkten ist weitaus größer und vielfältiger – und deren Qualität deutlich besser. Saisonware wie Schoko-Eier und Osterhasen sind in den Niederlanden viel einfacher vegan zu bekommen.

Milchschokoladen-Alternativen

Veganer scheinen vor allem heiß auf vegane Milchschokoladen-Imitate zu sein, wenn man den Verkaufslisten von Online-Versandhändlern glaubt. Diese Alternativen sind unserer Meinung nach weder mit herkömmlichen Kuhmilchschokoladen vergleichbar, noch sind sie kulinarische Höhepunkte.

Bekannt sind die Schokoladen der niederländischen Marke Bonvita sowie der australischen Marke Sweet Williams. Bonvita arbeitet mit Reissirup als Milchersatz, während Sweet Williams mit Sojamehl arbeitet. Dadurch werden die Schokoladen zwar cremig, um nicht zu sagen fettig, schmecken jedoch wenig schokoladig und penetrant nach diesen Ersatzstoffen. Sweet Williams schmeckt deutlich nach fadem, schweren Sojamehl. Die Bonvita-Schokoladen sind in Ordnung, aber nicht herausragend. Beide Sorten sind uns viel zu süß.

Ebenfalls mit Sojaeiweiß sowie Stärken aus dem Baukasten der Lebensmittelchemie arbeitet »Schakalode« vom deutschen Hersteller Vantastic Foods. Hier ist unsere Meinung gespalten, Gourmand findet sie in Ordnung, Gourmet findet sie ebenfalls fade. Der Preis ist zudem recht hoch.

Ungetestet, aber erwähnenswert ist Sojamilchschokolade von Mitzi Blue, eine Zotter-Marke.

Gourmand-Schokoladen – »Kauschokolade«

Dunkle Schokoladen sind deutschen Supermärkten sind oft nicht vegan, da sie mit tierischen Fremdfetten wie Butterreinfett »gestreckt« werden. Das gilt auch für teurere Marken wie Lindt und Hachez, welche häufig Milchbestandteile einsetzen, um die Konsistenz und Cremigkeit zu verbessern. Wie gesagt ist das niederländische Angebot hier besser, daher empfehlen wir zwei niederländische bzw. belgische Schokoladen. Es handelt sich um Verkade Puur und Tony’s Chocolonely Puur.

Beide sind Fair Trade, wobei Tony’s Chocolonely besonders Wert darauf legt, ohne Sklaverei und Kinderarbeit produziert zu werden. Erstere hat 55% Kakao-Anteil, letztere 72%. Besonders die Tony’s Chocolonely lädt zum Naschen ein, denn der 200-Gramm-Riegel besteht aus dicken Klötzen, die man lieber kaut als lutscht.

Gourmet-Schokoladen – »Lutschschokolade«

Wer gute Schokolade sucht, sollte ein Schokoladen-Fachgeschäft aufsuchen oder per Versand bestellen. Glücklicherweise gibt es hier in Berlin viele derart. Empfehlen können wir folgende:

  • In Schöneberg liegt Winterfeldt Schokoladen. Dies ist ein kleines, gemütliches Café, in dem heiße Schokolade ausgeschenkt wird, aber auch Premium-Schokolade von bekannten Marken wie Domori, Michel Cluizel, Dolfin, Valrhona und François Pralus verkauft wird.
  • Relativ weit hinten am Kurfürstendamm liegt Hofer SchokoLaden. Dieser ist nicht auf Premium-Schokoladen spezialisiert, hat dafür ein sehr breites Angebot, von dem viel vegan ist.
  • Ebenfalls am Kudamm liegt die Berliner Kaffeerösterei, in der es nicht nur Kaffee gibt, sondern auch Schokoladen. Das vegane Angebot ist jedoch recht klein.

Erspäht, aber nicht betreten haben wir zudem die Schokogalerie Berlin in Mitte in der Nähe des Hackeschen Markts. – Es gibt natürlich noch viele weitere, hier nicht aufgeführte Schokoladengeschäfte in Berlin.

Mittlerweile haben wir verschiedene Marken und Sorten ausprobiert. Nachdem wir mehr und mehr gute Schokoladen kennengelernt haben, hat sich unsere Meinung über Schokolade an sich stark geändert. Sie sind geschmacklich wirklich um Längen besser als die üblichen Markenschokoladen aus dem Supermarkt.

Die Vielfalt ist erstaunlich. Obwohl sie 70% und mehr Kakaoanteil haben, schmecken sie nicht bitter. Der Schmelz ist mitunter unglaublich zart, sie zergehen cremig auf der Zunge, ohne dass andere Fette als Kakaobutter verwendet werden. Besonders erstaunlich sind die zum Teil deutlichen Aromen: Blüten, Früchte und Beeren, Karamell, Nüsse, Gewürze, Kaffee, Tabak, Rauch, Holz usw. Man glaubt erst nicht, dass es sich hierbei um reine Schokolade ohne Zusätze handelt.

Wer also meint, »Bitterschokolade« schmecke immer gleich und aufdringlich stark, sollte diese Vielfalt kennenlernen.

Coppeneur

Von den 72-prozentigen Cru-de-Cacao-Schokoladen von Coppeneur haben wir verschiedene ausprobiert – wir erinnern uns aber nur an Jamaica, welche wie folgt beschrieben wird: »Aromen von süßem Rum und frischer Milch. Akzente von Pfirsich und leichten Holznoten von Zedernholzund Wacholder.«

Die Aromen sind sehr deutlich und die Beschreibungen passend. Einige der Sorten gibt es auch in einer Ausführung mit zugesetzten Gewürzen, Kaffee oder Kakao-Nibs. Wie gesagt sind aber schon die puren Varianten intensiv genug.

Valrhona

Die Grand Crus von Valrhona sind allesamt empfehlenswert. Besonders gefallen uns die eher milden Caraïbe und Taïnori. Man findet sich in den Schokoladen von Valrhona gut zurecht, denn sie werden plakativ mit zwei Adjektiven wie beispielsweise »Fruity & Intense« oder »Balanced & Velvety« beschrieben. Für Einsteiger zu empfehlen ist die Probierpackung mit sechs milchfreien Grand Crus. Die Valrhona-Grafik anbei bietet ein Vergleich der Sorten hinsichtlich Intensität, Bitterkeit, Säure, Fruchtigkeit und Nussnoten (Anklicken zum Vergrößern).

Domori

Domori gehört wohl zu den renommiertesten und gleichzeitig teuersten Schokoladenmarken. Wir haben die Probierpakete mit je fünf Criollo- bzw. fünf Single-Origin-Sorten getestet und waren eher enttäuscht. Dass es sich hierbei um hervorragende Schokolade handelt, merkt man am außergewöhnlichen Schmelz und den feinen Aromen.

Man muss diese Schokoladen, insbesondere die reinen Criollo, noch viel bewusster genießen und schmecken als andere Premium-Schokoladen. Wir hatten den Eindruck, dass der Geschmack nicht so intensiv ist wie bei anderen hier genannten Marken. Vielleicht ist unser Geschmack noch nicht erfahren genug. Wir haben unsere Meinung zu jeder Sorte notiert und fanden von den Criollos keine so gut, dass wir eine größere Tafel kaufen wollen – der Preis spielt natürlich auch eine Rolle.

Die Single Origins haben uns besser gefallen. Insbesondere schmeckt uns die Sambirano. Sie hat einen ausgeprägten Rosinen- und Beerengeschmack. Wohlgemerkt, hier sind keine Früchte zugesetzt, sie besteht aus 70% Kakaopaste und Zucker. Eine genauere Beschreibung findet sich auf Critical Tastings. Alle Noten herauszuschmecken und detailliert beschreiben zu können, dazu sind wir (noch) nicht in der Lage.

Original Beans

Original Beans hat sich der Pflege besonderer, seltener Kakaosorten verschrieben, die zum Teil wild im Regenwald gepflanzt und geerntet werden. Dies merkt man an einem außergewöhnlichen, kräftigen Geschmack. Getestet und für gut befunden:

  • Piura Porcelana, Peru, 75%: »Anregend mit üppigen Noten von Limone, Aprikose und Pekanuss«
  • Beni Wild Harvest, 66%, Bolivien: »Sonnengetrocknete Beeren, Melone, leichte Noten tropischer Früchte«

Zotter Labooko

In einem kleinen Schokoladen-Laden in den Hackeschen Höfen fanden wir Schokoladen der Marke Labooka von Zotter. Das Doppelpack Ecuador 60%, Bolivien 70% fanden wir hervorragend und werden sicher weitere Sorten testen.

Nüsse und Nougat

Neben Milchschokolade vermissen viele Veganer Nougat und andere Nuss-Schokoladen. Tatsächlich ist es nicht einfach, vegane Nougatschokoladen zu bekommen. Während es in jedem Supermarkt zumindest mittelmäßige vegane Schokoladen ohne Nüsse gibt, muss man für jene Spezialgeschäfte aufsuchen.

Tafeln mit ganzen Nüssen sind in Deutschland schwer zu finden. In den Niederlanden ist das leichter, beispielsweise von der Super-de-Boer-Eigenmarke. Der Preis ist sehr niedrig, die Qualität entsprechend mittelmäßig.

Bekannte vegane Nougatschokoladen sind die Rapunzel Nirwana Noir sowie Vivani Dunkle Nougatschokolade. Beide haben eine Haselnusscremefüllung und sind im Bioladen erhältlich. Sie kosten in der Regel um die zwei Euro und sind recht gut. Hinsichtlich Schmelz und Cremigkeit unterscheiden sie sich von Nougatschokoladen mit Milch, sie sind fester und schmecken intensiver nach Schokolade und Nuss.

Richtig gutes veganes Nougat gibt es etwa von der italienischen Marke Venchi. Ein wahrliches Goldstück ist Gianduja nocciolato fondente mit Piemont-Haselnüssen. Dies ist ein weicher Riegel aus reinem Nougat mit ganzen Nüssen, man muss also feine Scheibchen abschneiden. Der Nussgeschmack ist einfach umwerfend.

Wer eine dunkle Schokolade mit ganzen Nüssen sucht, ist mit Pani Nocciolato Fondente Extra sehr gut beraten. Darin stecken dieselben Premium-Nüsse. Entsprechend muss man stolze 5-6 Euro für einen Riegel bezahlen. Das ist der Preis in diesem Fall aber Wert.

Siehe auch: Zur Lagerung von Schokolade