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Webentwicklerinnen zum Ada Lovelace Day 2010

Der 24. März ist der Ada-Lovelace-Tag. An diesem Tag sind BloggerInnen weltweit aufgerufen, über Frauen in der Technologie und Wissenschaft zu berichten. Ada Lovelace, geboren 1815, wird als erste Programmiererin der Geschichte gesehen; sie schrieb ein Programm zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen für die Analytical Engine, eine Rechenmaschine des Mathematikers Charles Babbage.

Frauen in der Webentwicklung, insbesondere der client- und serverseitigen Programmierung, sind bis heute unterrepräsentiert und werden unsichtbar gemacht. Der Zugang zu dieser Männerdomäne ist ihnen erschwert. Ein Beispiel: Unter 88 RednerInnen der Webinale-Konferenz 2009 waren ganze fünf Frauen. Die Konferenz WebTech 2009 konnte das sogar – im Negativen – überbieten: Alle 65 Redner waren männlich. Soviel zum Stand der Gleichstellung in der Webindustrie. Es ist nicht nur peinlich, dass weiblichen Geeks offenbar keine Chance gegeben wird, es wird zudem suggeriert, es gäbe keine Frauen, die sich mit Webprogrammierung beschäftigen. Das ist schlicht und ergreifend falsch, es gibt sie und sie leisten hervorragende Beiträge, schreiben Artikel, Bücher und Code. Dennoch werden sie üblicherweise ignoriert. Offenbar schaffen es nur wenige, sich in der Branche zu etablieren.

Wie auch schon letztes Jahr muss ich meinen Beitrag zum Ada-Lovelace-Tag am darauffolgenden Wochenende nachreichen. Letztes Jahr habe ich die Fachautorin und Dozentin Ulrike Häßler sowie ihre JavaScript-Dokumentation vorgestellt. Dieses Jahr habe ich aus dutzenden nennenswerten Webentwicklerinnen eine Handvoll herausgegriffen, sowohl international bekannte als auch weniger bekannte, aber nicht minder kompetente. Soweit nicht anders angegeben, schreiben sie auf Englisch.

  • Rebecca Murphey ist Frontend-Architektin mit Schwerpunkt auf JavaScript- und jQuery-Programmierung.

    rebeccamurphey.com, blog.rebeccamurphey.com, @rmurphey

  • Die Informatikerin Dr. Silvia Pfeiffer ist Expertin für Audio- und Videotechnologien und arbeitet in vier W3C-Arbeitsgruppen unter anderem an Video in HTML5 mit. Sie engagiert sich derzeit vor allem für zugängliche Audio- und Videoinhalte.

    gingertech.net, blog.gingertech.net, @silviapfeiffer

  • Lena Herrmann studiert Informatik, bloggt und hält Vorträge über JavaScript, Ruby on Rails, CouchDB und testgetriebene Software-Entwicklung.

    lenaherrmann.net, github.com/lenalena, @kilaulena

  • Über Shelley Powers habe ich schon im Rahmen eines HTML5-Artikels berichtet. Sie ist wahrlich ein Multitalent. Sie hat verschiedene Fachbücher verfasst, darunter Learning JavaScript, welches meines Wissens bald in einer neuen, überarbeiteten Auflage erscheinen wird. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit SVG und RDF, siehe etwa ein Double Feature über SVG im Webmagazin A List Apart. In der HTML5-Arbeitsgruppe nimmt sie derzeit eine herausragende Rolle ein, hauptsächlich dadurch, dass sie fundierte Kritik äußert und hartnäckig Widerworte gibt – was auch dringend nötig ist. Shelley, bitte mache lange so weiter und lass dich nicht kleinkriegen.

    burningbird.net, realtech.burningbird.net, @shelleypowers

  • Estelle Weyl ist Frontend-Webentwicklerin, Fachautorin und spricht auf Konferenzen. Sie bloggt in letzter Zeit vor allem über CSS3 und dessen Browserunterstützung.

    evotech.net/blog/, standardista.com, @estellevw, @standardista

  • Lea Verou studiert Informatik und arbeitet als Frontend-Webentwicklerin. Sie führt ein Blog über CSS- und JavaScript-Techniken.

    leaverou.me, @LeaVerou

  • Molly Holzschlag kann man wohl mit Recht als Mutter der Webstandards-Bewegung bezeichnen. Sie ist schon gefühlt von Anfang an dabei und hat seitdem Großes geleistet, etwa in der legendären Microsoft Task Force des Web Standards Project. Sie sollte jedem Webentwickler bekannt sein. Einfach deshalb muss sie hier noch einmal genannt werden. Im Übrigen arbeitet sie mittlerweile für den Browserhersteller Opera und dokumentiert dort in der Opera Developer Community z.B. CSS3-Techniken.

    molly.com, Blog bei Opera, @mollydotcom

  • Die Informatikerin Wendy Chisholm engagiert sich schon seit 1995 für Barrierefreiheit im Web. Sie hat beim W3C z.B. an den wegweisenden Web Content Accessibility Guidelines 1.0 gearbeitet.

    sp1ral.com, @wendyabc

  • Die studierte Literaturwissenschaftlerin/Philosophin Sylvia Egger arbeitet als Webproducerin und führt ein herausragendes deutschsprachiges Blog zum Thema Barrierefreiheit. Zudem schreibt sie dadaistische Literatur.

    sprungmarker.de, dadasophin.de, @sprungmarkers

  • fantasai ist mir schon seit langer Zeit, vielleicht 2002, bekannt durch ihre HTML Quick Reference. fantasai ist Expertin in der CSS-Arbeitsgruppe des W3C und arbeitet beim Mozilla-Projekt mit. Sie ist Mitherausgeberin verschiedener CSS-Standards und trägt zur CSS-Testsuite bei. Wenn ich das richtig verstehe, hat sie Bauingenieurwesen studiert.

    Ihre bürgerliche Identität lässt sich zwar recherchieren, aber ihren eigenen Sites nach zu urteilen kümmert sich fantasai weder um Realnamen noch um ein eindeutiges Geschlecht. Ich erlaube es mir dennoch, sie hier aufzuführen, sie verdient es (wie auch die restlichen) ganz unabhängig vom Geschlecht genannt zu werden.

  • fantasai.inkedblade.net, fantasai.inkedblade.net/weblog/, @fantasai

Zusätzlich möchte ich zwei Initiativen vorstellen:

  • DevChix ist eine Gruppe von Programmiererinnen, die eine Mailingliste und ein kollaboratives Blog unterhält.
  • Speakerinnen ist ein Verzeichnis für Expertinnen, die auf Konferenzen vortragen. Sortiert nach Thema finden sich dort zahlreiche Sprecherinnen.

Zuletzt die beeindruckenden Folien des Vortrags I’m A Barbie Girl In A CS World der Informatikerin Pamela Fox, die bei Google an Google Wave arbeitet (imagine-it.org, @PamelaFox). Sie plädiert für Diversity in der IT und die Überwindung von Stereotypen in der Informatik – seien es Ausgrenzung aufgrund des Geschlechts oder aufgrund von anderen »typischen« Geek-Konventionen.

Flash benötigt, Textversion zu finden auf Slideshare.

Weitere Präsentationen von Pamela Fox